24. Valenser Frühlingssymposium: «Rehabilitation: Passiert etwas»?

Am 25. Mai 2023 fand im Rehazentrum Valens das 24. Frühlingssymposium statt, das der Frage nachging, welche Ergebnisse sich Patientinnen und Patienten von der Rehabilitation erwarten können. In Vorträgen und Workshops informierten die Referenten das interessierte Fachpublikum über Erwartungen und realistische Fortschritte in den unterschiedlichen Fachbereichen der Rehabilitation.

Prof. Dr. med. Stefan Bachmann und Dr. phil. Peter Oesch, die das Symposium zum wiederholten Mal gemeinsam auf die Beine stellten, konnten mit dem vielfältigen Programm wieder zahlreiche Interessierte anziehen. Teil 1 des Programms konzentrierte sich mit Vorträgen und Workshops auf die Erwartungen und Ergebnisse bei den verschiedenen Patientengruppen in den einzelnen Fachgebieten, Teil 2 war einem Rückblick und Ausblick gewidmet.

Die Ausgangslage bestimmt das Ergebnis

Die Referenten und das Fachpublikum waren sich einig: Die Ausgangslagen, mit denen Patientinnen und Patientinnen in die Reha kommen, seien sehr unterschiedlich und die Ergebnisse würden stark von persönlichen Faktoren abhängen. So seien beispielsweise der Grad der Selbstständigkeit, die soziale Kompetenz, die Arbeitsfähigkeit oder berufliche Integration unterschiedlich ausgeprägt, aber von entscheidender Bedeutung für die Art und Intensität der Rehabilitation.

«Was ist das Ziel in den nächsten Jahren?»

Umso wichtiger sei es, gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten Ziele zu vereinbaren, die realistisch erreicht werden können. In diesem Kontext sprach Dr. med. Urs Keller in seinem Vortrag «Was erwartet der Hausarzt von der Rehabilitation» beispielhaft zwei sehr unterschiedliche Fälle an: Ein 75-jähriger Spinning-Instruktor und eine 25-jährige Diabetikerin, die eine muskuloskelettale Reha benötigen, kommen mit völlig unterschiedlichen Lebensumständen und Voraussetzungen zur Reha – und damit auch mit völlig unterschiedlichen Zielsetzungen und Erwartungen. Die Frage, die laut Urs Keller daher immer gestellt werden muss, ist: «Was ist das Ziel in den nächsten Jahren?»

Nicht alle bestehenden Beschwerden können mitbehandelt werden

Was von einer Reha, von verschiedenen Ausgangslagen ausgehend, nachweislich erwartet werden kann, seien Verbesserungen der körperlichen sowie der geistigen und emotionalen Gesundheit, der Symptome bei chronischen Erkrankungen sowie der Lebensqualität und Resilienz. Doch nicht immer würden sich die Erwartungen, die an eine Rehabilitation gestellt werden, mit dem Ergebnis decken, das die Reha tatsächlich erzielen kann. Es sei einerseits zu viel erwartet, wenn etwa davon ausgegangen wird, dass alle Beschwerden, die noch neben der Hauptdiagnose bestehen, mitbeseitigt werden, etwa ein Bluthochdruck, Diabetes oder Tinnitus. Andererseits könnten individuell überraschende Ergebnisse erzielt werden, die Patientinnen und Patienten sich anfangs kaum zu erhoffen wagen.

Die Statistik zeigt, was möglich ist

Im Rehazentrum Valens zeigt die Statistik, dass 46,8 Prozent der Patientinnen und Patienten, die im Rollstuhl oder Bett in die Reha kommen, diese als selbstständige Fussgänger wieder verlassen. Weitere eindrückliche Zahlen folgten: Bei 9 von 10 Personen mit Gehbehinderung verbessert sich die Gehfähigkeit, und 7 von 10 Personen berichten von einer deutlich verbesserten Lebensqualität. Diese verbesserte Lebensqualität betrifft alle Rehabilitationsarten, wie die Referenten aus den verschiedenen Fachbereichen berichten konnten. Erfahrungsgemäss sei dieser Wert auch anhaltend und beschränke sich nicht auf einige Wochen nach der Rehabilitation. Wie Prof. Dr. med. Stefan Bachmann ausführte, liege hierbei insbesondere auch im Teilbereich der orthopädisch-geriatrischen sowie der internistisch-geriatrischen Rehabilitation grosses Potenzial: «Bei älteren Menschen ist die Rehabilitation eine sehr effektive Methode, um die Funktionsfähigkeit und die Lebensqualität zu verbessern und damit die Pflegeheimeinweisungen zu reduzieren. Grenzen werden uns hier gesetzt, wenn die Rehabilitationsfähigkeit und oder das Rehabilitationspotenzial eingeschränkt vorhanden sind.»

Zuständigkeit für Sekundärprävention fehlt – «Bliib dra» als Ansatz

Auch ein weniger erfreuliches Thema wurde angesprochen, das mit dem Schlagwort «Sekundärprävention» einhergeht: 10 bis 15 Prozent der Menschen, die einen Schlaganfall erleiden und in der Reha grosse Teile ihrer Selbstständigkeit zurückerlangen, würden innerhalb von einem Jahr einen Reinsult erleiden, also einen weiteren Schlaganfall. In 5 Jahren seien es sogar 40 Prozent. Es sei im schweizerischen Gesundheitswesen noch nicht geklärt, wer für die Sekundärprävention zuständig ist, also dafür, dass sich Patientinnen und Patienten nach einem solchen Ereignis gesund erhalten und damit einem weiteren Ereignis vorbeugen. Dr. med. Roman Gonzenbach stellte hierzu einen Ansatz des Rehazentrums Valens vor: «Mit unserem Programm Bliib dra versuchen wir, Betroffene auch für die Zeit nach der Reha für Bewegung und Aktivität zu motivieren. Denn neben einer gesunden Ernährung ist es insbesondere die Bewegung, die uns gesund erhält.»

Rehabilitation früher – heute – morgen

In den nachfolgenden Vorträgen beleuchteten auch die weiteren Referenten ihre jeweiligen Fachgebiete und gaben wertvolle spezifische Inputs, bevor es am Nachmittag in mehreren Workshops um praktische Tipps für die Alltagspraxis ging. Die weiteren Vorträge am Nachmittag leitete Dr. phil. Peter Oesch ein, der seine Erfahrungen aus 40 Jahren Physiotherapie mit den Anwesenden teilte und eindrücklich aufzeigte, wie sich alle Therapiebereiche von «schonen und wenig machen» hin zu «fordern und viel machen» entwickelten – und wie eindeutig sich die Studienlage dazu heute zeigt.

Einen spannenden Ausblick auf die zukünftigen und teilweise bereits bestehenden digitalen Möglichkeiten der Rehabilitation gab Dr. phil. Jeremia Held, Standortleiter der Ambulanten Reha Zürich. Er beleuchtete die Telerehabilitation aus Sicht des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen. Und schliesslich gab Dr. Till Hornung, CEO der Kliniken Valens, einen Ausblick auf die Weiterentwicklung der Rehalandschaft in der Schweiz. Im Fokus dieses letzten Vortrages standen die Vorteile sowie der zunehmende Bedarf an spitalnaher Reha, die aktuell auch in der Gruppe Kliniken Valens ausgebaut wird.

 

Bild: Die Organisatoren und Referenten des 24. Valenser Frühlingssymposiums
v. l.: Prof. Dr. med. Jean-Paul Schmid, Chefarzt Kardiologie und Departementsleiter Innere Medizin, Klinik Gais; Prof. Dr. med. Stefan Bachmann, Ärztlicher Direktor Allgemeine Innere Medizin und Muskuloskelettale Rehabilitation, Kliniken Valens; Dr. phil. Peter Oesch, Leiter Projekte, Kliniken Valens; Dr. med. Urs Keller, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, PizolCare Praxis, Sargans; Dr. phil. Jeremia Held, Standortleiter Ambulante Reha Triemli Zürich; Dr. phil. Roger Hilfiker, Physiotherapeut, Brig; Dr. med. Dr. sc. nat. Roman Gonzenbach, Ärztlicher Direktor Neurologische Rehabilitation, Kliniken Valens; PD Dr. med. Thomas Münzer, Chefarzt Geriatrische Klinik St.Gallen AG; Daniel Riese, MSc, cand. PhD, Leiter Therapien Rehazentrum Valens; PD Dr. med. Holger Hass, Chefarzt Onkologie Klinik Gais; Dr. med. Björn Janssen, Chefarzt Muskuloskelettale und Internistische Rehabilitation, Rehazentrum Valens.